Wir sind eine neue Generation. Ganze Lebenskonzepte haben sich geändert. Wir werden genauso wenig 20 Jahre lang 8 Stunden am Tag am gleichen Schreibtisch arbeiten, wie ihr 12 Stunden am Tag in der Fabrik gearbeitet habt. Unser Lebenskonzept unterscheidet sich so sehr von eurem, wie eures von dem eines Arbeiters im 19ten Jahrhundert.
Ihr findet eure eigenen Dateien auf eurem Rechner nicht mehr wieder. Wir sind professionelle Datenschubser. Unsere Berufe können wir euch oft gar nicht mehr erklären. Das ist eine andere Welt, eine abstrakte Welt, in der wir uns bewegen. Eure Welt konnte man immer anfassen. Eure Zahlen waren auf Papier, eure Werkzeuge in eurer Hand. Deshalb macht euch unsere Welt angst. Ihr könnt sie nicht einmal mehr sehen.
“Wir nennen sie Alte Männer mit Kugelschreibern oder Internetausdrucker. Wir wissen nicht, wie wir mit ihnen reden sollen und wie wir ihnen unsere Welt erklären sollen, und wir hoffen, daß es eine biologische Lösung für dieses Problem gibt.”
Die wunderbare Welt von Isotopp - Falscher Planet, falsches Jahrtausend
Trotzdem versucht ihr uns zu kontrollieren. Nach euren Maßstäben. Versucht ihr unsere Welt zu vereinfachen. Ein Stoppschild kann man sehen, das kennt man aus dem Alltag. Aber in Wirklichkeit versteht ihr nicht worum es geht.
Das müsst ihr auch gar nicht. Man muss nicht alles verstehen. Aber ihr versucht es aufzuhalten. Es in eure Denkweisen zu pressen. Ihr versucht uns eurer Weltbild aufzuzwängen. Das wird nicht funktionieren.
Und es geht dabei nicht ausschließlich um Technik. In der Technik wird es nur am deutlichsten. Wir teilen nicht mehr eure Werte. Das muss hart sein: Da habt ihr 2 Jahrzehnte lang versucht uns nach euren Maßgaben zu erziehen, uns eure Werte einzutrichtern, uns auf Linie zu bringen. Doch das hat nicht ganz funktioniert. Wir sind jetzt genau so gebildet wie ihr, sogar wie eure Eliten. Aber wir ziehen andere Schlüsse. Das liegt daran, dass wir euch beobachtet haben. Wir haben gesehen, wir ihr 40 Jahre geschuftet habt, für euren Status, um dann 2 Wochen vor der Rente tot umzukippen. Wir haben gesehen wie wenig positives euer “Fortschritt” gebracht hat. Wir haben gesehen wie ein grossteil von euch zu Alkoholikern geworden ist, weil ihr tief drin nur unglücklich seid.
Und wir fragen uns: Wollen wir genau so werden? Haben wir nicht die Pflicht ein neues Konzept auszuprobieren? Da sitz ich nun in dem Job, den mein Vater sich immer für mich gewünscht hat. In einer angesehenen Firma. 40 Stunden die Woche. Gut bezahlter Bürojob. Das Geld häuft sich auf meinem Konto, ich will mir aber keinen Scheiß kaufen, den ich nicht brauche. Ich wüsste so viele gute und wichtige Dinge, die ich tun möchte. Aber niemand will mich dafür bezahlen. Sie bezahlen mich dafür ihren Untergang zu verwalten.
Da sitz ich nun mit einem total kaputten Familienbild in meinem Kopf und weiß, dass ich meine Kinder nicht verprügeln werde. Auch wenn ich nicht antiautoritär bin.
Was mich am glücklichsten macht, ist Wissen in meinen Kopf zu pumpen. Meinen Horizont zu erweitern. Dazu lese ich Unmengen an Texten im Internet. Dazu rede ich mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Dazu höre ich Musik aus allen Epochen der Menschheit. Meine Sammlung ist so umfangreich, dass sich manche Bibliothek damit schmücken möchte und wäre legal so teuer wie eine Villa. Habt ihr schon mal drüber nachgedacht, dass die “Raubkopierer” eigentlich Kulturliebhaber sind?
“Das Internet ist nicht einfach ein Haufen Kabel, die irgendwo hin führen. Für viele, mich eingeschlossen, ist es Teil des Seins und des Bewusstseins, und ich bin ein Teil des Internets.”
Aggregat7 - Die Internetfeinde
Da sitz ich nun und muss hilflos mit ansehen, wie ihr alles verbieten wollt, was mein Leben lebenswert macht. Alles was mein Lebenskonzept ausmacht. Im meinem Reisepass speichert ihr Fingerabdrücke. Wenn ich ins Land der grenzenlosen Freiheit will, muss ich mich durchsuchen lassen und meine Freiheit am Flughafen abgeben. Wenn ich meine Gedanken offen aussprechen will, werde ich vom BND überwacht. In meinem Rechner liest der Bundestrojaner meine privatesten Gedanken und Gefühle. Die Vorratsdatenspeicherung speichert jederzeit wo ich bin und mit wem ich Kontakt habe.
Ihr nehmt mir die Luft zum atmen. Lasst mich zurück mit einem Gefühl der Hilflosigkeit. Mit einem Leben, dass an allen Ecken an seine Grenzen stößt. In einer Phase, in der ich etwas neues definieren muss. Gegen euren Widerstand. Aber ich habe keine Wahl. Ich kenne meinen Weg zwar auch nicht, doch ich werd ihn gehn.