Ich weiß nicht genau, was mich trauriger macht: Die Verabschiedung des Zensurgesetzes, oder die vielen intelligenten aber naiven Menschen, die wirklich dachten etwas aus dem System heraus ändern zu können. Das geht soweit, dass sich Malte glatt dazu versteigt uns alle zu SPD Wählern machen zu wollen und uns in die FPD eintreten zu lassen.
Wie viel Zeit und Mühe haben diese ganzen Menschen investiert. Sie haben Petitionen eingereicht, recherchiert, Argumente gesammelt, protestiert und demonstriert. Und Sie wollen es weiter machen. Nichts davon hat auch nur das geringste genützt. Warum nicht?
Ein System ist eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können und sich in dieser Hinsicht gegenüber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen.
Systeme organisieren und erhalten sich durch Strukturen. Struktur bezeichnet das Muster (Form) der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte, durch die ein System entsteht, funktioniert und sich erhält.
Quelle: Wikipedia
Und gerade unser politisches System ist auf Selbsterhalt ausgelegt. Um in die Bundespolitik zu kommen, muß man jahrelang Kommunalpolitik machen. Dabei darf man nicht negativ auffallen. Also keine abweichende Meinung haben. Außerdem braucht man Seilschaften und viel Vitamin B. Nach oben kommt also nur, wer genug Willen hat um auch sein Gehirn am Eingang abzugeben und nur zu machen was die weiter oben sagen. Problem ist, dass auch diese Leute irgendwann nach ganz oben kommen und dann plötzlich wieder eine Meinung haben und Politik gestalten sollen. Das kann ja nicht gut gehen.
Das System ist in sich geschlossen und stabil. Es wird von einer grossen schweigenden Masse getragen. Und es schützt sich weiter, indem es starke Medien auf seine Seite zieht. Dieser Selbsterhalt ist durch den oben genannten jahrelangen Siebebprozess Systemimmanent.
Die Protestwelle gegen Zensursula scheint daher ähnlich sinnvoll, wie der Versuch von 1 Million fliegen einen Wolkenkratzer zum Einsturz zu bringen, indem sie alle mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler fliegen.
Was also dann tun? Alles ausichtslos? “Kein Gerede, nur die Tat…” (ich würde diese n Text von WIZO gerne weiter zitieren, wenn ich in einem System leben würde, welches das erlaubt). Kurz: man muss sich neben das System stellen und es von da aus verändern. Wege gibt es viele, auch gewaltfreie. Man kann auch einfach mal abwarten, was in einem Jahr aus den Arbeitslosen der Finanzkrise geworden ist. Und dann im richtigen Moment, wenn das System zerfällt, mit viel Elan sein Anliegen vorbringen und eine Systemänderung herbeiführen.Was dabei hinten rauskommt ist wohl leider unvorhersehbar.
Es steht auf jeden Fall fest: Wir leben in aufregenden Zeiten. Peak Oil, Finanzkrise, Abschaffung der Grundrechte, jede Menge Kriege, alles Faktoren, die ein System ins Wanken bringen können. Jetzt stell dir mal vor, die Finanzkrise wäre genau zum Beginn des Irakkriegs ausgebrochen. Oder der Ölpreis schiesst genau dann in die Höhe, wenn auch die Arbeitslosigkeit stark steigt. Ein kleiner zeitlicher Zufall und schon sind die Sesselfurzer ihre schönen Renten los und Politik bedeutet wieder mehr als warme Luft.