»Warum verachten sie uns denn?« fragte Chloe. »Arbeiten ist doch nichts Besonderes.«
»Man hat ihnen gesagt, es sei etwas Besonderes«, sagte Colin. »Im allgemeinen finden die Leute Arbeit gut. Allerdings denkt niemand wirklich darüber nach. Sie arbeiten aus Gewohnheit und um eben nicht darüber nachzudenken.«
»Auf jeden Fall ist es blödsinnig, eine Arbeit zu tun, die ebensogut Maschinen ausführen könnten.« »Maschinen müssen gebaut werden«, sagte Colin. »Wer soll das tun?«
»Ja, naturlich«, sagte Chloe. »Wenn man ein Ei haben will, braucht man ein Huhn, hat man aber einmal das Huhn, so hat man Eier genug. Folglich ist es besser, mit dem Huhn anzufangen.«
»Man müßte wissen, was die Leute daran hindert, Maschinen herzustellen«, sagte Colin. »Wahrscheinlich fehlt ihnen die Zeit. Sie brauchen all ihre Zeit zum Leben, deshalb bleibt für die Arbeit nichts übrig.«
»Ist es nicht gerade umgekehrt?« fragte Chloe. »Nein«, sagte Colin. »Wenn sie genug Zeit hatten, um Maschinen herzustellen, brauchten sie hinterher nichts mehr zu tun. Ich meine, sie arbeiten, um zu leben, anstatt zu arbeiten, um Maschinen herzustellen, die ihnen ein Leben ohne Arbeit ermöglichen würden.«
»Das ist kompliziert!« meinte Chloe.
»Nein«, sagte Colin. »Es ist sehr einfach. Natürlich würde es einige Zeit dauern, bis man so weit wäre. Aber man verwendet so viel Zeit darauf, Dinge herzustellen, die wieder verbraucht werden…«
»Glaubst du denn nicht, daß sie lieber zu Hause bleiben und ihre Frau küssen und zum Schwimmen gehen oder sonst etwas unternehmen mochten?«
»Nein«, sagte Colin. »Darauf kommen sie gar nicht.« »Aber ist es denn ihre Schuld, wenn sie glauben, daß Arbeit etwas Gutes ist?«
»Nein«, sagte Colin. »Es ist nicht ihre Schuld. Man hat ihnen nämlich gesagt: ›Arbeit ist heilig, gut und schön, Arbeit ist wichtiger als alles andere, und nur der Arbeiter hat ein Rechtauf alles.‹ Nur läßt man sie dauernd arbeiten, und deshalb haben sie überhaupt keinen Nutzen davon.«
»Aber dann sind sie doch dumm?« sagte Chloe.
»Ja«, sagte Colin. »Sie sind dumm. Deshalb glauben sie auch den Leuten, die ihnen weismachen, daß Arbeit das Beste auf der Welt ist. Sie brauchen dann nicht darüber nachzudenken, wie sie die Arbeit abschaffen könnten.«
»Laß uns von etwas anderem sprechen«, sagte Chloe. »Solche Themen sind sehr anstrengend. Sag mir, ob du mein Haar magst…«
»Das weißt du doch…«
Er hob sie auf seine Knie. Er war wieder vollkommen glücklich.
»Ich habe es dir doch gesagt, ich liebe dich im allgemeinen und im besonderen.«
»Dann jetzt im besonderen«, sagte Chloe und schmiegte sich schmeichelnd wie ein Kätzchen in Colins Arme.