
Wiglaf Droste, wie soll man so jemanden Beschreiben? Zu allererst mal nicht mit blöden floskelhaften Fragen wie: “Wie soll man so jemanden Beschreiben?”. Sonst würde er mir garantiert wegen Einfallslosigkeit eins auf die Mütze geben.
Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses ist eine Sammlung von absurden Gedichten und anderen Kurztexten. Vor allem aber ist es eins: ganz und gar nicht Hirnlos. Sprachlich im gesamten Bereich zwischen intellektuellem Klugscheisser und abgefuckten Gossengelaber unterwegs steckt “Wiggi” seine Nase überall dort rein, wo es weh tut. Selbst bei der ein oder anderen belanglosen Geschichte macht es Spaß seinem Erzähldrang zu folgen.
Aber lassen wir den Meister selbst zu Wort kommen, indem ich aus dem Text “Das Topspiel der Woche mit Volkers Hilfe (Eine Einkreisung)” zitiere:
“… Gern zum Beispiel kehrt man am Samstag nachmittag in ein unweit der Wohnung gelegenes Café ein, um dort die Übertragung des sogenannten “Topspiels der Woche” auf premiere zu verfolgen, weil man selbstverständlich kein premiere Abonnement hat, beziehungsweise wenn man doch eines hätte, damit beschäftigt wäre, darüber nachzudenken, was man falsch gemacht hat in seinem langweiligen Leben; es wird sich wohl um die fatale Entscheidung handeln, mit einem sogenannten Partner zusammenzuleben. Jeder Mensch, auch der prickelndste, nutzt sich durch dauerndes Bewohntwerden dermaßen ab, daß schon recht bald selbst das Fernsehen mehr Faszination verspricht: Erst kommt die Einstiegsdroge ARD/ZDF, irgendwann reicht auch “Derrick” nicht mehr, dann heißt es: Kabel her, als nächstes Video, und wenn das Ende naht, abonniert man premiere, und das alles nur, weil jemand sagte, es sei doch so schön, den gemeinsamen Alltag zu teilen. Die von kulleräugigen Unterprimanerinnen mit Sozialkundeleistungskurs geäußerte Behauptung, einsame Menschen würden sich vor dem Fernseher, weil Neil Postman das einmal gesagt hat, “zu Tode amüsieren” und dabei vor die Hunde gehen, ist so falsch wie alles, was kulleräugige Unterprimanerinnen mit Sozialkundeleistungskurs so behaupten; es ist im Gegenteil der permanente Sozialkontakt, der die Menschen in die Arme von Alkohol, Religion, Fernsehen und sogar premiere treibt.”
Oder aus einem anderen Text eine wunderbar aufgeklärte Betrachtung über Gott, “Wo ißt Gott (Eine säkuläre Spekulation)”:
“Ob es einen Gott gibt und wo, wenn ja, im Universum er sich dann herumdrücke, ist mir, von einem nietzscheanisch-atheistisch flackernden Feuer in frühester Jugend einmal abgesehen, immer gleichgültig gewesen, denn die Antwort, wie sie auch ausfällt, ändert ja nichts: Gott ist egal, und was egal ist, darf ignoriert werden.”
Fazit: Sehr unterhaltsames Buch, sprachlich weit über durchschnitt. Unbedingt kaufen.
Wiglaf Droste
Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses
erschienen im Edition Nautilus Verlag
Als kleiner Bonus ohne Zusammenhang mit dem Buch: “Grönemeyer kann nicht tanzen”