Fünf Bücher über Nachhaltigkeit und Selbstversorgung
Es gibt viele Gründe dafür, nachhaltig und unabhängig leben zu wollen. Gutes Essen aus eigenem Anbau, alternative Lebenskonzepte, Krisensicherheit in Zeiten von Peak-Oil und Finanzkrise, ökologisches Bewusstsein, oder einfach die Sehnsucht nach dem Landleben. Nachhaltiger zu leben kann dabei viele Ausprägungen haben. Vom Plusenergiehaus über den eigenen Kräutergarten bis zur kompletten Selbstversorgung auf dem Bauernhof können die Konzepte variieren. Dementsprechend decken die fünf ausgewählten Bücher eine große Spanne ab und gehen das Thema von teils ganz unterschiedlichen Richtungen an.
Inhalt
The new complete book of self-sufficiency von John Seymour
Lust auf Landleben von Alan und Gill Bridgewater
Toolbox for sustainable city living von Scott Kellogg und Stacy Pettrigrew
Handbuch für Selbstversorger von Grüner Zweig 66
Handbuch für Selbstversorger von Horst Oellrich
The new complete book of self-sufficiency von John Seymour
The classic guide for realists and dreamers, so der Untertitel, ist die Bibel zum Thema; und John Seymour der Papst der sustainability. Den Umfang ahnt man schon auf den ersten Blick - 300 großformatige Seiten im stabilen Hardcover lassen auf umfassende Betrachtung hoffen. Schon in den 70ern beschäftigte sich Seymour mit nachhaltigem Leben und lebte auf seiner eigenen Farm als Selbstversorger. Über die Jahrzehnte hat er einen ganzen Berg Bücher zu dem Thema verfasst. Diese Erfahrung merkt man ihm auch an, er schreibt ganz aus seinem eigenen praktischen Erleben.
Das Buch dreht sich zum grössten Teil um Nahrung und ist dementsprechend auch hauptsächlich in Nahrungsgruppen gegliedert. Die ersten Kapitel sind: eine Einführung, Essen aus dem Garten, Essen aus Tieren, Essen vom Feld, Essen aus der Natur. Im hinteren Teil des Buchs wird es dann aber auch handwerklich. Ein Kapitel beschäftigt sich mit Energie und Müll, eins mit den notwendigen Fähigkeiten und Werkzeugen. Vor allem die Kapitel über Feld und Garten sind ausführlich und hilfreich. Es gibt eine Pflanzenkunde der wichtigsten Nutzpflanzen und viele bebilderte Anleitungen. Der handwerkliche Teil ist deutlich kürzer, die Themen sind eher angerissen und wecken so die Lust auf mehr Information.
Seymour schreibt sehr flüssig und locker und das Buch ist einfach unterhaltsam zu lesen. Noch ehe man sich versieht, hat man einen ganzen Abend geblättert und in die interessantesten Stellen reingelesen. Danach wird es schnell sowohl zu einem Schmöker, als auch zu einem Nachschlagewerk. Die persönliche und erfahrungsschwangere Schreibweise gibt gute konkrete Ratschläge und zeigt unter anderem auch Grenzen auf. Allerdings macht Seymour häufiger den Eindruck eines alten mürrischen Großvaters, der seinen Kindern am Kamin Geschichten erzählt. Dieser Eindruck entsteht zum Beispiel, wenn er erklärt welche Werkzeuge man vor Nachbarn und Freunden verstecken soll, weil sie zu wichtig seien.
Dieses Buch ist die Bibel und bleibt es auch zurecht. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, kommt einfach nicht darum herum, wird die Investition aber auch nicht bereuen.
ISBN 978-0-7513-6442-2, ca. 25€
Lust auf Landleben von Alan und Gill Bridgewater
Dieses Buch beginnt mit den für Aus- und Umsteiger wichtigen Fragen - wo und wie wohnen? Dabei spielt auch gleich am Anfang Technik eine Rolle und es werden verschiedene Energiekonzepte von der hightech Solaranlage bis zum Holzofen vorgestellt. Wie dämme ich mein Haus und wie vermeide ich Abfall sind Themen, denen sich nachhaltig Bauende stellen müssen. Dann geht es auch hier zum Garten und der Tierhaltung. Die Beschreibungen sind nicht ganz so detailliert wie bei Seymour, aber liebevoll illustriert. Als sehr hilfreich hat sich der ausführliche Teil mit Rezepten zum Herstellen und Haltbarmachen von Lebensmitteln herausgestellt.
Dieses Buch möchte auch eine Entscheidungshilfe sein - ist Landleben etwas für mich? Wenn ja, im hightech Passivhaus mit Garten oder im traditionellen Bauernhaus mit ganzem Bauernhof? Diese Themen werden zwar eher oberflächlich angesprochen, es werden aber die nötigen Fragen aufgeworfen, um sich weiter damit auseinandersetzen zu können. Schon bald findet man sich Details zur Solarförderung recherchierend. Der Gartenteil ist qualitativ mit dem von Seymour vergleichbar, deckt aber weniger Aspekte ab.
ISBN 978-3-8001-5847-8, ca. 25€
Toolbox for sustainable city living von Scott Kellogg und Stacy Pettrigrew
Wie der Titel schon sagt, geht es in diesem Buch vor allem ums Stadtleben. Die Autoren haben Erfahrungen gesammelt, indem sie eine alte Lagerhalle in Austin gekauft und zu einem Projekt für Nachhaltigkeit und alternatives Leben gemacht haben. Dementsprechend geht es etwas härter zur Sache - da werden Asphaltflächen aufgerissen und mit Öl und Batterien verseuchte Böden entgiftet. Die meisten Projekte werden aus Schrott und Müll gebaut, ansonsten gibt es Hinweise auf günstige Bezugsquellen. Große Farmen sind hier kein Thema, stattdessen wird besprochen, wie man die Hühner im Hinterhof den Nachbarn schmackhaft machen kann und welche Gesetzte im Weg stehen können. Das ganze ist etwas USA-lastig, was dem Nutzwert aber nicht schadet.
Die Hauptgliederung besteht aus den Artikeln: Nahrung, Wasser, Müll, Energie und Bio-Sanierung. Detaillierte Anleitungen, z.B. zum Grauwasserfiltern, gehen auch auf Gegebenheiten bei Sanierungen ein (Wie komme ich an die Rohre?). Jedes Projekt ist mit Illustrationen dargestellt, die sehr hilfreich für das Verständnis sind. Was ich besonders gut finde ist, dass zusätzlich bei jedem Projekt anhand eines Fotos gezeigt wird, wie die fertige Umsetzung aussieht. Teilweise sind die Beschreibungen schon zu detailliert und auf einen amerikanischen Schritt-für-Schritt-für-Dummies-Markt ausgelegt. Wie man einen einfachen Schlauchanschluss in ein Fass einbaut, benötigt nicht unbedingt eine eigene Doppelseite. Auf der anderen Seite merkt man den Autoren aber auch ihre Backgrounds in Biochemie und Ökologie an. Vorgänge und Ursachen werden genau und wissenschaftlich beschrieben. Esoterik oder Bauchgefühl findet man in diesem Buch nicht, stattdessen hat alles Hand und Fuß.
Wer in einer Stadt ein alternatives oder autonomes Zentrum gründen will, sollte sich auf jeden Fall mit diesem Buch beschäftigen. Aber auch für Bastler, die gerne aus Schrott nützliche, nachhaltige Dinge bauen, ist es ein Geheimtip. Vor allem bringt es noch einmal eine ganz andere Sichtweise zum Thema ein und kann dem Leser dabei helfen, weg von der Idylle auf dem Lande und hin zu einer alltagstauglichen Betrachtung zu kommen.
ISBN 978-0-89608-780-4, ca. 12€
Handbuch für Selbstversorger von Grüner Zweig 66
Tips aus eigener Erfahrung, so der Untertitel, will dieses Buch geben. Dafür kommt es als kleines Handbuch im Taschenbuchformat daher. Die Autoren leben selbst seit 7 Jahren als Selbstversorger und bleiben daher ihr Versprechen auch nicht schuldig. Aus dieser Liste ist es wohl am nächsten am Alltag.
Warum man Selbstversorger werden sollte, oder wie man das Ganze anfängt, sind dabei gar keine Themen mehr. Auch Technik und Handwerken kommen nicht vor. Dafür gibt es jede Menge Rezepte und Anleitungen von der Wollverarbeitung bis zur eigenen Hausapotheke. Die Anleitungen sind gut verständlich und sehr liebevoll, wenn auch einfach, Illustriert. Leider erklärt dieses Buch so manche richtige Erkenntnis mit esoterischen Begründungen. Wer sein Gehirn einschaltet, bekommt trotzdem sehr gute Tips für den Alltag.
Das Buch selber ist leider sehr einfach gemacht, die Bindung ist billig und nicht sonderlich stabil. Der Text ist in Handschrift gesetzt und bunt, was der Lesbarkeit nicht unbedingt hilft. Da es aber nur 8€ kostet und damit deutlich günstiger ist als die anderen Bücher, kann man es verschmerzen.
Für alle, die schon auf dem Feld stehen und sich jetzt selber eine neue Jacke nähen wollen oder ihre Ernte einlagern müssen, ist dieses Handbuch ein praktischer Helfer durch den Tag. Über die einfache Machart und die esoterischen Einschläge kann man dabei hinweg sehen.
ISBN 3-900409-01-3, ca. 8€
Handbuch für Selbstversorger von Horst Oellrich
Ein Ratgeber für Einsteiger möchte dieses Buch sein, dreht sich aber eigentlich gar nicht um Selbstversorgung, sondern um Kulturtechniken der Nahrungszubereitung und Haltbarmachung. Wer mit vorhandenen Haushaltsgegenständen Käse machen oder Fisch im Kugelgrill räuchern möchte, kann sich auf diese Weise mit diesem Ratgeber etwas unabhängiger von der industriellen Massenfertigung machen.
Für ein Buch im Eigenverlag ist es relativ professionell gemacht. Die Rezepte sind hilfreich und geben viele nicht selbstverständliche Tips. Immer wird Wert darauf gelegt, einfach anzufangen und dann nach und nach dazuzulernen.
Für diejenigen, die nicht gleich ihr ganzes Leben umkremplen möchten, sondern erstmal nur wie Oma ihren eigenen Käse zubereiten wollen, ist dieses Buch sicher eine gute Wahl.
ISBN 978-3833492129, ca. 13€
Weitere Informationen:
- der Hof von John Seymour
- The New Complete Book of Self-sufficiency beim Verlag
- John Seymour in der Wikipedia
- Lust auf Landleben - englische Ausgabe bei Googl Books
- Toolbox for Sustainable City Living beim Verlag
- Toolbox for Sustainable City Living - die Webseite, Informationen, Workshops, etc.
- Handbuch für Selbstversorger von Grüner Zweig 66 beim Verlag
- Handbuch für Selbstversorger von Grüner Zweig 66 beim Syntropia Spezialbuchversand
- Handbuch für Selbstversorger von Horst Oellrich - Webseite, Links zum Thema und Tipps für den Einkauf
Weitere Quellen / Blogs:
- The Complete Book of Self Sufficiency - Ratings and Reviews
- The Permaculture Project Blog
- The Best Sustainable Home Books For Learning About Eco Friendly Houses im ROPE Blog
- Book Review: Toolbox for Sustainable City Living bei Treehugger
- Mushrooms in the Living Room - The Radix Ecological Sustainabilty Center
- praktisches Beispiel für Selbstversorgung mit vielen Bildern
- Sustainability in der Wikipedia
- Nachhaltigkeit in der Wikipedia
- Selbstversorgung in der Wikipedia