Ich bin heute zufällig über ein Zitat beim buch blogger gestolpert, welches er Georg Christoph Lichtenberg zuschreibt. Wie aber in den Kommentaren auf der Seite auch schon erwähnt wurde, stammt es wohl von Franz Kafka. Ich hab auf die Schnelle nur eine Quelle gefunden, die es auch Lichtenberg zuordnet: http://www.garten-literatur.de/Leselaube/lichtenberg_buch.htm
Den Brief, in dem Kafka es schreibt, habe ich aber vorliegen (Franz Kafka, Briefe 1902- 1924, Fischer Verlag 1998, Seite 27 ff).
“Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”
Bewußt war mir bisher der letzte Teilsatz “Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”, der inzwischen als Postcardenspruch herhalten muß. Aber grade der Anfang beschreibt sehr gut, was ich Büchern gegenüber empfinde. Warum ich Kafka mag. Oder den Steppenwolf. Aber auch, warum andere Bücher mich so kalt lassen, obwohl viele Menschen sie für großartige Literatur halten. Um bei Hesse zu bleiben, wäre das Glasperlenspiel so ein Beispiel. Ich fand es einfach belanglos, es hat mich nicht zerfleischt und mir keine neuen Denkweisen gezeigt.
Wenn ich es etwas weiter zuspitze würde ich sogar sagen: Bücher, die meinen Charakter nicht verändern, sind es nicht wert gelesen zu werden.
Dabei schwingt im ursprünglichsten Sinne die Neugierde, die Gier nach neuem, mit. Es soll meinen Horizont erweitern, meine Grenzen überschreiten und dabei eine tiefe Spur in mein Inneres kratzen.
Ich hoffe ich kann in Zukunft mehr solche Bücher in diesem Blog vorstellen. Hier erstmal eine kleine Auswahl der Bücher, die im Wortsinn mein Leben verändert haben:
- Der Steppenwolf - Hermann Hesse
- Betrachtungen - Frankz Kafka
- Es gibt keine schlechten Menschen, sagte der Bär, wenn sie gut zubereitet sind - Stefano Benni
- Illuminatus! - Robert Shea & Robert Anton Wilson
PS: Im Eisbrecher Blog gibt es eine Zeichnung einer Axt mit einem Buch als Klinge.
