“Ich reise niemals ohne Tagebuch.
Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.”
Er gehört zum Herbst in Mannheim: Roger Willemsen. Wenn der Sommer sich verabschiedet, darf man sich darauf freuen, dass Roger Willemsen kommt.
Am Dienstag Abend also hat der Herbst begonnen, denn da las Roger Willemsen in der Alten Feuerwache aus seinem Nocturno Bangkok Noir, gerade im Fischer Verlag erschienen und Niederschlag nächtlicher Streifzüge mit Ralf Tooten. Den Nacht-Bildern von Tooten gegenübergestellt, wollte Willemsen Impressionen kreieren, keine Bildergeschichte erzählen. Multimedia-Abend nennt man sowas, und wie immer, wenn Roger Willemsen da ist, warten Reihen voller Bildungsbürger auf… ja, auf was eigentlich?
Geschichten und Bilder wie viele bunte Herbstblätter waren das, die da auf die Wartenden herunterrieselten. Banal, witzig, traurig, alles gemeinsam. Zum ersten Mal sehe ich Elefanten durch Betonblöcke und Straßen ziehen, ohne gleich mit schlechtem Gewisen an den Tierschutzverein zu denken.
Keine Bildergeschichten und wenig Sex hatte Willemsen zu Beginn angekündigt und trotzdem sind es natürlich Bilder und vor allem Geschichten, die hängen blieben.
So schön gelesen, dass die Sehnsucht und das Fernweh groß werden, so fern, dass eine Ahnung nur davon aufsteigt, dass es eben doch nicht das gleiche ist, ob man seinen Mitternachtssnack zu sich nimmt in Baden-Württemberg oder Bangkok.
Und danach? Weinglas geleert,Mantel abgeholt, Pfand zurückgeholt, gut amüsiert? Hoffentlich bleibt auch ein wenig Entdeckermut hängen. Und Neugierde. Und Sehnsucht. Verdammt nochmal.
Bangkok Noir von Roger Willemsen und Ralf Tooten, erschienen im S. Fischer Verlag
Auf der Webseite von Roger Willemsen gibt es eine Übersicht der weiteren Termine.