“Der Mann mit den Büchern unter dem Arm ging aus dem Haus,
und die Welt war nicht da.”

Könnte ein Buch bessser beginnen? Ein Buch, dessen Protagonist Lektor in einem kleinen Verlag ist und dessen Manuskripte mit ihm reden?
Dieser geniale Anfang stammt von Stefano Benni und leitet einen surrealistischen Roman ein, der nicht einfach greifbar ist. Es ist eine Satire über die italienische Gesellschaft, über Korrutpion und Ungerechtigkeit. Es ist die Geschichte eines Mannes, der an seinem Job verzweifelt, ihn aber liebt, ohne Aussicht jemals davon leben zu können. Aber vor allem ist es eine Geschichte über eine Freundschaft jenseits aller Normen.
“Weißt du, was ein Freund ist?
Einer, der dich nicht wie einen Rosenkranz betrachtet,
an dem er seine Absolutionen abzählt,
sondern als etwas Kompliziertes und Schmerzvolles,
das gemeinsam mit dir geht,
etwas, das du nie bis auf den Grund verstehst und das dich durchdringt.”
Achilles ist dieser Freund, welcher durch seine Behinderung das Haus nicht verlassen kann und so nur durch seine Phantasien lebt. Ulysses wird sein Draht zur Außenwelt, sie werden sich gegenseitige Inspiration. Was als einseitige E-Mail eines scheinbar Verrückten begann, wird zu einer besonderen Freundschaft, einer Symbiose, einem verträumten hin und her. Manche Passagen werden nur aus Achilles´ Sicht beschrieben, seine Vorstellungen von Ulysses Leben ersetzen die Wirklichkeit. Aber schon Ulysses erlebt seine Welt eher wie einen Traum, in dem Busse eigentlich Lindwürmer sind, die sich durch die Strassen schlängeln und seine Manuskripte mit ihm reden. Zusammen ergibt das Zeitweise einen echten Trip aus Bildern.
Sprachlich ist dieses Buch extrem pointiert und von einer bunten, faszinierenden Bildhaftigkeit geprägt. Es enthält deutlich weniger eine klare Aussage oder Moral als andere Bücher von Benni. Politik kommt nur am Rande in Nebenhandlungen vor.
Einen besonderen Bonuspunkt bekommt Stefano Benni für den Gastauftritt von Franz Kafka, während die Manuskripte mit Ulysses reden und jedes versucht, ihn von der eigenen Qualität zu überzeugen:
»Interessiert Sie die Geschichte eines Mannes, der eines Morgens aufwacht und in einen Käfer verwandelt ist?« sagte eine kleine Stimme ganz unten im Brifeumschlag.
»Herr Kafka, wenigstens Sie sollten keine Witze machen«, stöhnte Ulysses.
Fazit: Lesenswert.