“… als ob man mit einem Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen bekommt”
Douglas Adams

Mit verzerrten Gitarren, stampfendem Beat und vor allem LAUT stand Jochen Distelmeyer auf der Bühne des Karlstorbahnhof in Heidelberg. Das ganze Konzert kam deutlich lauter und dreckiger rüber, als das zugehörige Album. Wirklich Eindruck auf mich gemacht hat aber weniger die Show, sondern vor allem das Publikum.
Ein Haufen mitdreissiger in gewollt uncoolen (also schon wieder hippen) pseudointellektuellen Klamotten stehen wie angewurzelt im Raum, während vorne die Hölle losbricht und Distelmeyer dazu auffordert die Autos der Reichen anzuzünden. Nicht die geringste Regung, weder in den Gesichtern, noch zucken die Körper zum Beat. Nach jedem Lied braver Applaus wie im Theater.
Die Atmosphäre entspricht eher der eines Gottesdienstes, als der eines Konzerts. Ein haufen Juppies holt sich wieder ihre Absolution für ein weiteres Jahr. Und Morgen gehen sie wieder in ihre Bank und treiben die Finanzkrise voran. Gehen sie wieder in ihre Werbeagenturen und verkaufen den Leuten Scheisse die niemand braucht und die die Welt zerstört.
Die erste emotionale Reaktion gibt es, als alte Blumfeld Lieder gespielt werden. Nostalgie bricht aus und endlich wird die Erwartungshaltung erfüllt. Das Publikum schafft es kaum den Teilsatz “Quo vadis” mitzusingen, doch nach dieser Übung wirken die Menschen wie befreit. Vielleicht brauchen sie alle einfach mal eine Bewegungstherapie?